Lebenslanges Lernen – wie Sie sich alles mit Leichtigkeit merken können


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Prolog

Hallo zusammen, nach einer kreativen Pause melde ich mich wieder zurück und möchte Ihnen heute etwas über das Thema Lernen erzählen. Lebenslanges Lernen gehört für uns heute zum Alltag – stetig hageln neue Informationen auf uns ein, die ausgewählt, bewertet und behalten werden müssen. Die Auswahl und Bewertung von wichtigen Informationen klammere ich in diesem Artikel aus. Der Schwerpunkt liegt darauf, wie man sich die wichtigen Informationen ohne Anstrengung dauerhaft merken kann. Das Zauberwort heißt Mnemotechnik (Kunstwort abgeleitet aus den griech. Begriffen für Erinnerung/Gedächtnis und Kunst). Ich bin das erste Mal während meinem Studium mit dem Thema Mnemotechnik in Kontakt gekommen. Prof. Dr. Wolfram Stanek stellte uns im Rahmen einer Wahlveranstaltung das Thema und die dazugehörigen Methoden vor. Bereits zu Anfang der Veranstaltung spaltete sich das Auditorium in zwei Fraktionen auf. Die einen waren bereit, sich auf die neue Methode und die gefühlt verspielte Art des Lernens einzulassen. Die anderen standen dem Thema eher ablehnend gegenüber und bevorzugten die klassischen Lernmethoden wie “ins Hirn hämmern”, “ständige Wiederholung” oder “Buch unters Kopfkissen legen”. Ich möchte Sie an dieser Stelle bitten, sich unvoreingenommen und offen dem Thema zu widmen. Auch wenn die Methodik zunächst verspielt wirkt, sie werden sehr schnell erkennen, wie leicht sie sich in Zukunft Informationen merken können. Ich warne aber auch direkt davor, sich alles merken zu wollen. Wählen Sie immer sorgfältig aus, welche Informationen sie sich in Ihrem Gedächtnis ablegen. Unser Speicher ist nicht unbegrenzt und sollte nicht durch Informationen belegt werden, die Sie vielleicht nur kurzzeitig benötigen. Auch wenn es mit der Mnemotechnik eine Leichtigkeit wäre, das eigenen Telefonbuch im Mobiltelefon zu memorieren, so vertraue ich darauf, dass die Information in meinem Telefon besser aufgehoben ist und belege dafür keinen wertvollen Speicherplatz in meinem Gedächtnis. 🙂 Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit bereits Gedächtniskünstler gesehen, die innerhalb 1 Minute die Reihenfolge der Karten in einem Kartenspiel oder die Abfolge von 64 Nullen und Einsen (Bsp. 0-1-1-0-1-0-0-1) auswendig gelernt haben und diese fehlerfrei Minuten später wiedergeben konnten. Das wirkt wie Zauberei, ist aber bei Anwendung der hier vorgestellten Mnemotechniken eine Leichtigkeit. Diese Beispiele sollen auch nur zeigen, was mit der richtigen Anwendung der Mnemotechniken möglich ist. Sinnvoll ist diese Form der Anwendung wie oben bereits angedeutet aber nicht 🙂 Die Techniken sind auch nicht alle neu. Bereits die Griechen setzten diese Techniken ein, wenn Sie Reden halten mussten. Aber dazu später mehr.

Warum kann man sich manche Dinge leichter merken als andere?

Nehmen Sie sich einen kurzen Moment Zeit und überlegen Sie sich, welche Informationen Sie sich leicht merken können. Meistens fällt es uns leichter, Informationen aus unserem Privatleben und Hobbybereich zu merken als Inhalte von Textseiten. Aber woran liegt das? Unser Gehirn verarbeitet Informationen deutlich besser, wenn wir mit Herzblut und allen Sinnen bei der Sache sind. Beim Ablesen von Informationen wird nur unser Auge angesprochen. Lesen wir die Informationen laut vor, dann setzen wir bereits zwei Sinnesorgane ein. Wenn Sie Informationen dauerhaft und leicht speichern wollen, dann müssen wir einen Schnitt vollziehen und uns die Informationen so aufbereiten, dass wir diese mit allen Sinnen genießen können. Erst dann schöpfen wir unser Potential aus und steigern kontinuierlich unsere Fähigkeit, Informationen zu speichern. Diese Fähigkeit ist auch nicht wie mit ein Schalter aktivierbar, aber Sie werden merken, wie Sie sich von Mal zu Mal immer leichter Sachen merken können.

Wie kann man sich Informationen fürs Lernen aufbereiten?

Reine Textseiten sind zum Lernen absolut ungeeignet. Sie sprechen damit nur einen Teil Ihres Gehirns an und werden sich schwertun, die darauf stehenden Informationen zu lernen. Ich bevorzuge es, die wichtigen Informationen mit der Hand rauszuschreiben. Um bereits dabei beide Gehirnhälften zu aktivieren, verwende ich MindMaps. Dabei werden die Informationen zum einen strukturiert und geordnet (=> linke Gehirnhälfte) und mit weichen Formen und Farben aufgezeichnet (=> rechte Gehirnhälfte). Damit helfe ich meinem Gehirn bereits, die Informationen in eine leicht lernbare Ordnung zu bringen. Ein Beispiel für eine MindMap finden Sie auf dem Artikelbild oben.

Wenn ich die Informationen auf diese Weise neu aufgeschrieben habe, dann lege ich das Ursprungsmaterial zur Seite und verwende zum Lernen nur noch meine Notizen. Damit kommen wir dann nächsten Schritt, dem Lernen der Informationen.

Wie kann man die Informationen Lernen?

Damit Sie sich die Informationen gut merken können, sollten Sie einige Grundregeln beachten.

Stark verknüpfen. Die erste Grundregel ist, dass Informationen miteinander verknüpft werden müssen. Durch das Verketten von Informationen bilden sich Zusammenhänge im Gehirn, die verhindern, dass eine Information verloren geht. Sie werden den Unterschied merken, wenn Sie sich 10 abstrakte Begriffe schnell merken möchten. Ein Teil der Begriffe wird Ihnen beim späteren Abrufen der Informationen nicht mehr einfallen, weil die Informationen nichts miteinander zu tun haben. Bilden Sie aber Assoziationen zwischen den Begriffen, dann werden Ihnen im Idealfall alle Begriffe einfallen, weil Ihr Gehirn Sie miteinander verknüpft hat. Dazu ein Beispiel zur Veranschaulichung. Welche Verbindung besteht zwischen “Tisch” und “Auto”? Tja, da muss ich auch erst mal nachdenken – spontan fällt mir auch nichts ein. Wie sieht es dagegen mit “Biene” und “Blume” aus? Denken Sie hierbei auch direkt ans “Bestäuben” oder “Honig machen”? Die Verbindungen können Sie sich umso besser merken, je mehr Emotionen sie bei uns auslösen. Lassen sie beispielsweise die Begriffe auf abstruse Weise miteinander interagieren. Der Tisch könnte aus einem Fenster auf das Auto fallen und es regelrecht “platt” machen. Denken Sie dabei an einen ungeliebten Menschen, dem das Auto gehört und der danach wie ein begossener Pudel dreinschaut. Damit die Assoziation noch stärker wird, kommen wir zur nächsten Grundregel.

Alle Sinne ansprechen. Bleiben wir bei unserem Beispiel mit “Tisch” und “Auto”. Bisher haben wir nur unsere Fantasie und unser geistiges Auge angesprochen. Erweitern wir die Szene um die passenden Geräusche. Der Tisch pfeift beim freien Fall und es gibt einen mächtigen Knall beim Aufprall gefolgt vom Geräusch von splitterndem Glas und knarzendem Metall. Darauf folgt das jammernde Wimmern unserer Hauptperson. Spüren Sie auch die Erschütterung im Boden, wenn der Tisch das Autodach streichelt 🙂 Auf diese Weise versuchen Sie das “Bild” auf alle Sinne auszuweiten (Sehen, Riechen, Hören, Fühlen, Schmecken).

Fantasie, Struktur, Bewegung. Diese drei Grundregeln haben wir bereits oben besprochen. Der Struktur sollten Sie beim Aufbereiten der Informationen für das Lernen besondere Aufmerksamkeit widmen, damit sich die Informationen später leicht lernen lassen. Wenn Sie Ihre Informationen dann in Bewegung versetzen und ausreichend Fantasie aufbringen, werden Sie diese nicht mehr vergessen.

Wenn Sie beim Lesen tief in ein Buch eintauchen, dann wenden Sie alle diese Grundregeln an und können sich deshalb später auch gut an die Geschichte erinnern. Überhaupt ist Lesen eine gute Übung für die Fantasie und das Behalten von Informationen. Wenn Sie früher Eselsbrücken verwendet haben, dann betrachten Sie diese einmal unter dem neu gewonnen Wissen. Auch dabei versucht man Informationen in einen Zusammenhang zu bringen, damit sie miteinander verbunden sind.

Welche Techniken gibt es darüber hinaus?

Ich hatte bereits am Anfang des Artikels angesprochen, dass auch die Griechen diese Techniken bereits eingesetzt haben, um Reden zu halten. Aber wie hat das funktioniert? Zunächst wurde die Rede strukturell aufgebaut und dann in kleine logische Teile zerlegt. Diese Teile wurden in Geschichten gegossen und in die Zimmer des eigenen Hauses verteilt. Der Redner schritt dann gedanklich durch sein Haus und konnte anhand der Geschichten in jedem Zimmer den Teil der Rede abrufen, die jetzt vorgetragen werden sollte. Einfach, aber sehr effektiv.

Für die Verknüpfung von Zahlen wurden sogenannte Zahlensysteme geschaffen. Jeder Zahl wurde ein Symbol zugeordnet. Beispielsweise erinnert die 1 an eine Kerze und die 7 an eine Sense. Der zu merkende Begriff wird dann mit dem Zahlensymbol verbunden, um beispielsweise eine Menge zu lernen. Ich persönlich habe davon Abstand genommen. Solche Informationen dokumentiere ich lieber sorgfältig, damit ich sie bei Bedarf nachschlagen kann.

An dieser Stelle alle bekannten Techniken aufzuzählen würde den Rahmen des Artikels sprengen. Abgesehen davon entwickeln sich die Techniken auch weiter. Hier kann ich nur empfehlen, sich mit der Materie weiter auseinanderzusetzen und die Techniken herauszusuchen, mit denen Sie selbst am besten lernen können.

Weiterführende Literatur

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Dennis Jung

Über Dennis Jung

Herr Jung hat 2008 ein Studium zum Dipl.-Ing. (FH) im Bereich Informationstechnik mit Schwerpunkt Softwaretechnik abgeschlossen. Er arbeitet seit 4 Jahren als Projektleiter für die ZF TRW Produktlinien SCS und EPB. Seit 2017 ist er Abteilungsleiter im Bereich Globale Bremsen Softwareentwicklung - Software Projektmanagement.

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