Warum dieser Artikel?

Frau mit Burnout in Selbst-KlärungIch habe bereits selbst einige Artikel zum Thema Selbstmanagement verfasst und verfolge auch mit großem Interesse die Veröffentlichungen anderer Blogger und Buchautoren auf diesem Gebiet. Jeder, der sich mit der Thematik ernsthaft auseinandersetzt, steigt kontinuierlich Sprosse für Sprosse auf der Leiter der Selbstoptimierung weiter hinauf. Diese Leiter ist aber nicht endlos lang. Irgendwann kommt man an einen Punkt, bei dem nur noch kleine Optimierungen möglich sind, man sich aber trotzdem nicht perfekt organisiert fühlt. Dann ist es Zeit für die Selbst-Klärung. Im Grunde geht es darum innezuhalten und über sich selbst zu reflektieren.

Meiner Meinung nach ist ein wesentlicher Grund für die steigende Zahl der Burnout Erkrankungen, dass man nicht ordentlich auf das Leben vorbereitet wird. Hier fehlt ganz klar der Warnhinweis auf dem Leben in der Form von:

[su_quote cite=“Unbekannter Autor“]Das Leben kann Spuren von Müssen enthalten.[/su_quote]

Viele machen im Laufe ihres Lebens negative Erfahrungen und haben nicht gelernt, damit richtig umzugehen. Ich denke hierbei nicht an große Katastrophen und Schicksalsschläge, die mit Sicherheit professioneller Hilfe zur Verarbeitung bedürfen. Es geht mir vielmehr um die kleinen Dinge des Lebens und auch Alltags: Z.B. Sprichwörter, mit denen wir häufig als Kinder konfrontiert wurden oder Idole, denen wir nacheifern wollen. Häufig erwachsen daraus irrationale Ideen und diese lenken unser Fühlen, Denken und Handeln fortan in eine bestimmte Richtung. Wir verwenden dann eine Unmenge von Energie darauf, diesen Ideen gerecht zu werden und vergessen sie  zu hinterfragen. Phänomene wie das Nicht-nein-sagen-können und Aufopfern-für-andere können zum Beispiel daraus entstehen. Oftmals resultiert daraus auch ein fast durchgehendes MUSS-Gefühl (ich muss noch… ; ich darf nicht…; ich sollte (nicht)…).

Haben wir auf diese Weise erst einmal eine Menge Ballast angehäuft, so fühlt sich das Leben wie eine einzige große Anstrengung an. Das regelrechte Buckeln von Problemen kann sich auch körperlich manifestieren, z.B. in Form von Verspannungen. Leben wir auf diesem Kurs unverändert weiter, zieht irgendwann unsere Seele die Notbremse und zwingt uns zum Innehalten und Nachdenken.

Mit diesem Artikel möchte ich euch einen Denkanstoß geben und die oben beschriebene Lücke schließen. Fühlt ihr euch gehetzt und gestresst, obwohl ihr bereits gutes Selbstmanagement anwendet? Dann kann euch dieser Artikel eine Tür zu einem völlig neuen Feld aufstoßen, das ihr vermutlich noch nicht ausreichend erkundet habt. Richtig angewendet, werdet ihr fühlen, wie euch eine große Last abfällt und ihr wieder glücklicher und freier leben könnt.

Dieser Artikel ist aber nur als Denkanstoß und Appetitanreger zu verstehen. Ich habe diese Methode nicht erfunden, sondern bin selbst nur durch Zufall darauf aufmerksam geworden. Es handelt sich hierbei um die Rational-Emotive Verhaltenstherapie nach Albert Ellis. Wer jetzt erschreckt und beim Gedanken an Psychiater, Psychotherapeuten und Sofa nicht weiterlesen möchte, dem sei gesagt, dass man die Methode sehr gut im Selbststudium erlernen und anwenden kann. Es geht bei der Methode ausdrücklich nicht darum, herauszufinden, warum wir bestimmte Denk-/Verhaltensmuster entwickelt haben. Es geht darum, eine Änderung der aktuellen Situation herbeizuführen und nicht die Vergangenheit zu bewältigen.

Ich lege euch dazu das Buch Training der Gefühle: Wie Sie sich hartnäckig weigern, unglücklich zu sein von Albert Ellis ans Herz. In dem Buch wird seine Methode ausführlich erläutert und anhand zahlreicher Beispiele erklärt. Damit ihr eine grobe Vorstellung von der Methode bekommt, werde ich euch im nächsten Absatz eine kurze Einführung geben.

Wie ändert man seine eigenen Verhaltensmuster?

Zunächst identifizieren wir die eigenen Verhaltensmuster. Ein erster Schritt ist auf die eigene Wortwahl zu achten. Klingt einfach? Ist es auch. Achtet einmal darauf, wie oft und in welchem Kontext ihr folgende oder ähnliche Formulierungen im Alltag verwendet:

  • Ich muss …
  • Ich darf nicht …
  • Ich soll (nicht) …

Jede dieser Aussagen enthält einen Appell an euch selbst, der euch zu einer bestimmten Denk-/Fühl-/Handlungsweise zwingt. Jede Abweichung oder Nichterfüllung davon fühlt sich erst einmal (furchtbar) schlecht an. Am besten schreibt ihr solche Formulierungen auf, wenn sie euch begegnen. Dann habt ihr eine gute Grundlage, wenn ihr anfangt mit dem oben beschriebenen Buch zu arbeiten.

Jetzt nehmt euch eure Formulierungen vor und versucht herauszufinden, welche Idee im Grunde dahinter steckt. Warum denkt ihr, dass ihr diese Sache müsst, nicht dürft oder sollt? Versucht die Idee hinter diesen Formulierungen zu identifizieren. Eine Idee kann dabei auch durchaus unlogisch und sinnlos sein.

Im nächste Schritt nehmt ihr eine wissenschaftliche Analyse eurer Ideen vor. Hinterfragt sie und setzt euch damit intensiv auseinander. Ist diese Idee richtig – gibt es Beweise für oder gegen die Idee? Was wäre eine sinnvolle Idee, die davon abgeleitet werden könnte und euch nicht belastet? Damit stoßt ihr den Prozess der Veränderung an.

Es ist mir wichtig zu bemerken, dass wir nach wie vor Wünsche haben dürfen. In vielen Coachings und Selbstmanagement Weiterbildungen wird zunächst eine Reihe von Zielen für das eigene Leben entwickelt. Sich Ziele für die Zukunft zu entwickeln ist auch eine gute Sache, ABER: Führt euch immer vor Augen, was es bedeuten würde, diese nicht zu erreichen. Wäre das wirklich ein Weltuntergang oder nur schade, aber erträglich? Das ist nämlich der wichtige Unterschied. Mit der Zeit und der Anwendung der Methode werdet ihr dafür ein sehr gutes Gespür bekommen.

Die Methode ist auch keine komplexe Kunst, sondern von jedem leicht und schnell zu erlernen und anzuwenden. Ihr werdet merken, wie sich durch die Anwendung der Methode euer Fühlen, Denken und Handeln zum positiven hin verändert. Die Muss-Gefühle werden abnehmen und ihr könnt freier und unbeschwerter leben.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle bemerken, dass es manchmal der falsche Weg ist, sich alleine mit seinen Problemen auseinanderzusetzen. Einige Ursachen liegen so verborgen in uns, dass wir diese nicht selbst auflösen können. An dieser Stelle kann es sehr hilfreich sein, die professionelle Betreuung durch einen Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen. Das bricht niemandem einen Zacken aus der Krone und ist ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche. An körperlichen Beschwerden würdet ihr vermutlich auch nicht selbst herumdoktern, sondern einen Facharzt aufsuchen. Es gibt keinen Grund hierbei einen Unterschied zu machen. Das einzige, was uns davon abhält, sind unsere eigenen Denkmuster 😉

Ich wünsche euch alles Gute für euren eigenen Weg.